Sonntag, 21. August 2011

Gedanken 4: "Manuelle analoge Mittelformatfotografie ist wie das heimische zubereiten eines eigenen Rezeptes"


Hallo liebe Blogleser. Diejenigen von uns, die noch ab und zu ein Fotofachgeschäft aufsuchen, kennen die vielen kleineren und größeren Bunten Schachteln hinter der Theke, sicherlich noch. Vielen Digitalfotografen streicht beim Anblick der Kleinbildfilme und Rollfilme ein eher Nostalgischer Schauer über den Rücken. Namen wie Ilford, Fuji, Kodak oder Agfa scheinen viele neuere Fotografen nur noch aus Büchern vergangener Zeiten zu kennen.

Auch Ich stellte mir noch bis vor einiger Zeit die Frage, gerade in Bezug auf die großen 120er Rollfilme: „Wer kauft denn solche Filme heute noch?!“ Und tatsächlich verschwinden in vielen Läden diese Filme immer mehr aus dem Sortiment.

Gerade in Bezug auf meine Weiterentwicklung prägten mich vor allem Künstler neuerer Zeit, wie James Russell. Immer mehr ziehen mich aber Bilder an, die einen ganz besonderen Look haben. Farben sind anders, von EXIF´s keine Spur und vom Format auch eher Anders als man es doch gewohnt war. Nun ist die Look-Gestaltung dank Lightroom, Photoshop und Co. Kaum mehr ein Problem. Doch irgendwie erreichte ich nie die Ergebnisse die auch mein Schaffen beeinflussten.

Wie also weiterentwickeln? Fest stand schon lange, dass meine Entwicklung irgendwann mal ins Mittelformat laufen soll. Geringere Tiefenschärfe, bessere Farbdarstellung, cremigeres Bokeh, höheres Auflösungsvermögen / bessere Detailzeichnung.

Durch einen Zufall bin ich  nun im Besitz einer halbmechanischen Mittelformat-Filmkamera. Dazu 2 Objektive, ein Filmmagazin und ein Polaroid-Rückteil. Nein es ist keine Hasselblad, dafür aber eine wunderbare Mamiya RZ 67 Pro II.

Soll das nun, meine mich schon seit längerem begleitende Vollformatkamera von Canon ersetzen?

Nein, das soll sie nicht.  Nichtsdestotrotz ist es ein schon fast magisches Gefühl, wenn man dieses Meisterwerk an Konstruktion aus dem Koffer holt und seine Teile zusammenfügt. Der Blick durch den Lichtschacht, der Einblick auf die riesige Mattscheibe, fasziniert jeden Freund der Fotografie.
Statt anschalten und auf den Knopf drücken, zwingt uns der Film, der nur begrenzte Aufnahmen hat, das Bild genauer zu komponieren, sorgfältiger scharf zustellen, besser das Licht einzumessen. Kurzum: Bewusster zu fotografieren. Das Motiv rückt in den Mittelpunkt.
Dieses Mehr an Arbeit, verlangsamt die Aufnahme gewaltig, dadurch wird es aber auch entspannter. Seit dem die digitale Fotografie sich durchgesetzt hat, verlangen auch viele Kunden sofort ein Ergebnis, was natürlich auch mal gegen diese Art der Fotografie spricht. Und ein Digitales Rückenteil; machen wir uns nix vor braucht der Foto-Enthusiast nicht, da er selten so große Abzüge macht, für das ein solches Back ausgelegt ist. Mal ganz abgesehen von den Kosten, die es bis jetzt auch nur ausgewählten Berufsfotografen der Werbebranche möglich machen, sich so etwas zuzulegen.

Filmfotografie, ins besondere die manuelle analoge Mittelformatfotografie ist wie das heimische zubereiten eines eigenen Rezeptes.
Natürlich kann man sich ein fertiges Essen kaufen, aber ein Gutes Essen fängt mit dem sorgfältigen auswählen der Zutaten an. Eben genau das geht meiner Einschätzung nach, mit dem digitalen Fotografieren ein Stück weit verloren. 
Der Weg zum Ziel ist bei einer analogen Mittelformatkamera um einiges länger und auch mühseliger, vor allem aber auch um einiges teurer. Aber das Ergebnis ist viel persönlicher und das Gefühl, wenn man alle Zutaten richtig komponiert hat, ist einfach magnifique. Die Genugtuung wird letztendlich viel mehr befriedigt, zumindest ist es bei mir so.

Und genau eine dieser wichtigen Zutaten ist bei meiner Mamiya, aber auch bei anderen Mittelformatsystemen der Rollfilm. Die Frage also wer solche Filme heute noch kauft, kann ich mir zumindest heute so beantworten. Es sind Fotografen, die etwas besonderes suchen, ihre Bilder anders komponieren, die Spaß an eigener Entwicklung haben, die ihre Fotografie entschleunigen wollen. Oder einfach nur Anhänger analoger Fotografie auf der Suche  nach bestmöglicher Bildqualität.

Welche Erfahrung habt ihr mit Rollfilmen? Kauft Ihr noch welche wie Wir? Habt Ihr Lieblingsfilme? 

Viele Grüße,
Micha

Donnerstag, 11. August 2011

Gedanken-3: „Ein halbes Jahrhundert Photo-Geschichte.“

"Ein halbes Jahrhundert Photo-Geschichte...", 

Dass, liebe Blogleser ist doch wohl einen Beitrag wert. Es geht um ein spezielles Thema, was mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich denke, der ein oder andere weiß was jetzt kommt. Für alle anderen noch 2-3 Zitate einleitend zu einem spannenden Bereich der Photografie:

"Ich denke nicht, dass ich Foto´s mache. Es sind Foto´s weil sie aus der Kamera kommen, aber Sie sind anders! Sie sind nicht gegenständlich und Ich stelle sie mir als kleine `Sofort-Gemälde´vor." GRANT HAMILTON

"... die Urwurzeln der Photografie sieht man da wieder!" PETER COELN

"… für mich, ist mit Polaroid arbeiten, Lichtmalerei..." INGE DICK

Erst vor kurzem fand  ich den Beitrag im Internet, der wenn ich nicht ganz falsch liege, Anfang dieses Jahres auf ARTE ausgestrahlt wurde. Diese sehr interessante Dokumentation, die im übrigen knapp eine Stunde geht, wollte ich Euch nicht vorenthalten und kann sie jedem Foto-Enthusiasten empfehlen. Schließlich geht es um ein ganzes Stück Geschichte...


Ein totgeglaubtes Medium feiert ein Comeback... Dank Dr. Florian Kaps ist ist die Geschichte, dieses wertvollen Mediums noch lange nicht zu Ende geschrieben.

Abschließen möchte ich die heutigen Gedanken mit einem Polaroid der letzten Tage.


Welche Erfahrungen habt Ihr mit Polaroid? Nutzt Ihr es auch noch ab und zu? Habt ihr noch solche Kameras?
Postet doch einfach den Link mit eurem zu letzt geschossenem Polaroid und schreibt uns, wie es dazu kam!

Viele Grüße,
Michael & Mario

Weitere Info´s zur Neuinterpretation des Polaroid auf: http://the-impossible-project.com/ 

Freitag, 5. August 2011

Technical-1: Lichtmessung per Hand? Wieso denn das?!

Noch heute zählen externe Belichtungsmesser eigentlich zu einem Standartequipment eines jeden Fotostudio. Mit einem Knopfdruck wird die "korrekte" Blenden-Zeit-Kombination ermittelt.

Hallo liebe Blogleser und einen schönen Gruß aus München. Habt ihr Euch nicht auch ab und zu gefragt, wie es der ein oder andere Fotograf, auch schon zu Zeiten der Analogen Fotografie fertig gebracht hat, ein "optimal" belichtetes Bild zu schaffen. Und das obwohl da kein Bildschirm dran war oder ein Histogramm, dass man sofort begutachten konnte, ob die Belichtung stimmt.
Mir ging es zumindest am Anfang meiner Fotografie so. Häufig entstanden bei meinen ersten Gehversuchen viele unterbelichtete oder überbelichtete Aufnahmen, aber eben keins, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Die Antwort der Profis war denkbar einfach: sie hatten einen Handbelichtungsmesser.

"Mit dem handlichen Messgerät lässt sich die Lichtmenge exakt messen, um dann anhand des ermittelten Lichtwerts (LW) eine geeignete Zeit-Blende-Kombination abzuleiten." (Albrecht & Ginter, 2010, S. 40).

Braucht IHR sowas, oder kann man getrost auf so etwas verzichten?!
Lohnt sich die Anschaffung eines solchen meist gar nicht so günstigen Gerätes, in Zeiten von digitalen Kameras und Photoshop noch? Auf diese und andere Fragen möchten wir eingehen und eigene Erfahrungen beisteuern.

Wofür braucht man einen Handbelichtungsmesser?
Moderne Belichtungsmesser messen sowohl Dauerlicht, als auch Blitzlicht, welches ein Motiv beleuchtet oder das von ihm reflektiert wird. Der ermittelte Messwert – Blenden und Verschlusszeiten eines LW (Lichtwerts) – kann anschließend auf Eure Kamera übertragen werden. Die Lichtmessung ist der Objektmessung überlegen und um vieles verlässlicher (Dazu aber an anderer Stelle mehr ->Extra Blogeintrag).

Wie gehe ich bei einer Lichtmessung vor?
Der Belichtungsmesser wird dazu nahe an das Objekt gehalten. Dabei zeigt die markante weiße Halbkugel  (Diffuser / Kalotte) in Richtung der Kamera. Durch drücken der Messtaste, erscheinen bei neueren Geräten auf dem Display die Belichtungszeit und der Blendenwert. 
Diese Daten lassen sich beliebig "shiften", sprich bei beihalten der ermittelten korrekten Belichtung etwa zugunsten einer kürzeren Verschlusszeit oder einer kleineren/größeren Blende verändern. Die Werte übertragt Ihr dann auf eure Kamera, natürlich im manuellen-Modus (M-Modus). 
TIPP: Überprüft auch Eure ISO-Einstellung an der Kamera oder am eingelegten Film. Wir haben uns auch schon gewundert, warum unser Gerät falsch misst... ;) War natürlich nicht das Gerät, sondern eine falsche ISO-Einstellung an unserer Kamera., die WIR nicht geprüft hatten.

Dauert eine Belichtungsmessung lange?
Grundsätzlich NEIN, kann aber je nach Lichtsituation zeitaufwendig werden. Trotzdem arbeitet man im Umgang mit dem Handbelichtungsmesser langsamer, da man ja erst eine Messung durchführen muss bevor man fotografiert. So lange sich die Lichtverhältnisse aber nicht ändern, kann mit den gemessenen Werten gearbeitet werden. Dies hat für Uns große Vorteile: 
  • Zeitersparnisse bei der Nachbearbeitung
  • Stabilität der Ergebnisse (hinsichtlich der Belichtung)

Garantiert der Belichtungsmesser nun bessere Bilder?
Die Frage, lässt sich einfach beantworten: NEIN. Ein Belichtungsmesser versucht je nach Messmethode ein "korrekt"- belichtetes Bild zu ermitteln. Ob das korrekt belichtete Bild nun letztendlich von seiner Stimmung und Wirkung wirklich besser ist, bleibt jedem selber überlassen. Weiterführend empfehle ich einen Blogbeitrag von Martin Krolop (Richtig belichten). Er setzt sich dabei kontrovers mit dem Thema der richtigen Belichtung auseinander.

Wenn er keine besseren Bilder erreicht, WOFÜR braucht man ihn dann?!
Wer wie Wir Studioblitze einsetzt, oder überhaupt mit Blitzlicht arbeitet, wird einen externen Belichtungsmesser zu schätzen lernen.
Einfach und komfortabel, wissen wir schon bevor die erste Aufnahme gemacht ist, wie sich das Licht in der Aufnahme auswirkt. Es kann also schon am Bild komponiert werden, bevor wir überhaupt belichtet haben. Desweiteren kann das Blitzlicht bis in den Zehntel-Blendenbereich genau eingemessen werden - wir sparen Zeit bei der Nachbearbeitung. Arbeitet Ihr mit externen Blitzlicht, das manuell eingestellt werden muss, ist so ein Gerät sicherlich seine Anschaffung wert.

Praktisch ist so ein Gerät nicht nur bei der Lichtmessung, sondern auch bei dem gezielten Ausmessen von Bildpartien mit der Spotmeter (vorausgesetzt, das Gerät beherrscht Spotmessung). Bei gezielten Ausmessen empfiehlt sich ein Spotmesser mit 1° (das hat meines Wissens nach keine Kamera intern verbaut). Auch Kontrast-Messungen lassen sich mit Belichtungsmesser leichter durchführen, und aus mehreren Messwerten lässt sich schnell ein Mittelwert ermitteln.
Besitzer einer digitalen Spiegelreflexkamera sind aber nicht zwingend auf einen Belichtungsmesser angewiesen. So sind die integrierten Objektmessungen nicht schlecht, man muss sie nur interpretieren/verstehen lernen.

Zusammenfassung:
  • Wer mit Blitzlicht arbeitet, dem können wir so ein Gerät empfehlen
  • Wer nur mit Dauerlicht arbeitet, dem empfehlen wir sich genauer mit der Objektmessung auseinanderzusetzen.
  • Wer gezielt seine Belichtung feinfühlig steuern möchte/muss, der sollte sich so ein Gerät mal ausleihen und probieren ob es seine Arbeit nicht erleichtert.
Wie seht Ihr das? Arbeitet Ihr auch noch mit Belichtungsmesser? Was sind eure Erfahrungen im Umgang mit diesen Geräten? Wann setzt Ihr sie ein, wann eher nicht? Schreibt uns doch ganz einfach Eure Erfahrungen.

Viele Grüße,
Mario & Micha